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Öffentliche Gebäude sind komplexe Kostenstellen. Zwischen Sanierungsstau, steigenden Betriebskosten und hohen Nutzungsanforderungen reicht das „Bauchgefühl“ für eine effiziente Bewirtschaftung nicht mehr aus. Doch welche Zahlen sind wirklich relevant? Wie misst man den Erfolg im Facility Management (FM), und wie viele Ressourcen (Personal und Budget) sind für einen ordnungsgemäßen Betrieb tatsächlich notwendig?
Diese Fortbildung kombiniert fundiertes Expertenwissen mit direkter Anwendung. Basierend auf aktuellen HIS-HE-Erhebungen und der GEFMA-Richtlinie 270-1 lernen Sie, ein wirksames Kennzahlenkonzept zu entwickeln, Benchmarking als Steuerungsinstrument zu nutzen und Ihren Personalbedarf valide zu berechnen. Im Workshop-Teil erarbeiten Sie direkt übertragbare Lösungen für Ihre eigenen Liegenschaften.
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Intelligentes Controlling im Gebäudemanagement: Wie öffentliche Liegenschaften endlich steuerbar werden
Öffentliche Gebäude sind kostspielig im Betrieb – und schwer zu steuern. Der Sanierungsstau in Deutschland beläuft sich auf einen dreistelligen Milliardenbetrag, die Energiekosten steigen, und gleichzeitig werden die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Arbeitssicherheit immer anspruchsvoller. Trotzdem operieren viele Facility-Management-Abteilungen im öffentlichen Dienst ohne belastbare Kennzahlen – mit dem Ergebnis, dass Budgetentscheidungen auf Erfahrungswerten statt auf Daten basieren und Investitionen in die Gebäudesubstanz chronisch zu spät kommen.
Das Problem ist nicht das Fehlen von Daten. Die meisten Liegenschaftsverwaltungen sammeln Informationen: Energieverbräuche, Wartungskosten, Flächennutzung, Instandhaltungsaufwendungen. Das Problem ist, dass diese Daten selten so aufbereitet sind, dass sie Steuerungsimpulse liefern. Wer hundert Kennzahlen erhebt, aber keine davon regelmäßig für Entscheidungen heranzieht, betreibt keinen Controllingprozess, sondern einen Datenfriedhof.
Intelligentes Controlling im Gebäudemanagement beginnt mit der richtigen Frage: Welche Kennzahlen brauche ich wirklich, um meine Liegenschaften wirtschaftlich und substanzerhaltend zu betreiben? Die Antwort ist weniger trivial, als sie klingt. Kostenkennzahlen allein – Euro pro Quadratmeter Reinigungsfläche, Euro pro Arbeitsplatz – haben nur begrenzten Aussagewert, wenn die Vergleichsgrundlage nicht stimmt. Ein denkmalgeschütztes Rathaus aus dem 19. Jahrhundert lässt sich nicht sinnvoll mit einem Neubau-Bürogebäude benchmarken. Und die reine Betrachtung der Betriebskosten unterschlägt systematisch den Substanzverzehr, der sich erst Jahre später in Form von Sanierungsbedarfen manifestiert.
Besonders wertvoll ist die GEFMA-Richtlinie 270-1, die eine standardisierte Methode zur Ermittlung des Personal- und Budgetbedarfs im technischen Gebäudemanagement bietet. In der Praxis ist sie aber nur wenigen Verwaltungen bekannt – und noch weniger wenden sie konsequent an.
Dr. Joachim Liers von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bringt in unserer Fortbildung die Erfahrung aus dem Gebäudemanagement einer Großuniversität mit – einer Einrichtung mit hunderten Gebäuden unterschiedlichster Nutzung und Bausubstanz. Er vermittelt, wie man ein Kennzahlenkonzept aufbaut, das tatsächlich zur Steuerung taugt, wie Benchmarking-Prozesse funktionieren und wo sie an ihre Grenzen stoßen – und wie man gegenüber Entscheidungsträgern mit belastbaren Zahlen argumentiert statt mit Bauchgefühl.


