„Für die komplexen Herausforderungen in einem dynamischen und sich stetig wandelnden Bereich ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise mit einem analytischen Denken erforderlich, um zielgerichtete Lösungen zu entwickeln, kombiniert mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von bestehenden Prozesse und Strukturen.“

Porträtfoto von Alexander Gehrsitz: Mann mittleren Alters mit kurzen dunklen Haaren und Dreitagebart, lächelt freundlich in die Kamera, trägt ein weißes T-Shirt, heller Hintergrund.

Alexander Gehrsitz

Zur Person auf einen Blick

  • Mehr als 15 Jahre Berufserfahrung im Drittmittelbereich

  • umfassende Fachkompetenz im Management von Drittmittelprojekten

  • langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit internen und externen Schnittstellen

08/06/2026
3,7 Minuten

Drittmittel gewinnen immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 2022 erhielten deutsche Hochschulen rund 10,4 Milliarden Euro an Drittmitteln. Das entspricht einer Drittmittelquote von 28 Prozent der Gesamtfinanzierung.

Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Förderatlas 2024. Kennzahlen zur öffentlichen Forschungsförderung. Bonn 2024. Online: foerderatlas.dfg.de

Publivio: Viele Forschende am Universitätsklinikum haben exzellente Ideen, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Wie würden Sie den allerersten Schritt beschreiben, bevor auch nur eine Zeile eines Antrags geschrieben wird?

Herr Gehrsitz: Zuerst sollten die Forschungsideen kurz skizziert werden: Welche wissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigen mich und sollen mit welchem Vorgehen erforscht werden, warum ist die Thematik wichtig, welcher Mehrwert ist für mich und die Gesellschaft damit verbunden und kann ich meine Projektidee mit dem Know-how und den vorhandenen Rahmenbedingungen praktisch umsetzen.

Publivio: DFG, BMBF, EU-Horizont, Stiftungen: Die Förderlandschaft ist riesig und unübersichtlich. Welche Kriterien helfen Forschenden wirklich dabei, den richtigen Mittelgeber für ihr Projekt zu finden, ohne sich monatelang in Förderdatenbanken zu verlieren?

Herr Gehrsitz: Für Nachwuchswissenschaftler:innen ist es zu Beginn schwierig einen guten Überblick über die Fördermöglichkeiten zu erhalten. Dabei sind die einrichtungsinternen und externen Antragsberatungsstellen eine erste gute Anlaufstelle sowie die Möglichkeit eines Mentors, welcher beratend zur Verfügung steht. Kleine, regionale Projektförderungen oder Kooperationen mit erfahrenen Forschenden sind häufig ein guter Einstieg, um die ersten Erfahrungen zu sammeln.

Publivio: Was sind aus Ihrer jahrelangen Erfahrung die häufigsten Gründe, warum ein gut gemeinter Antrag trotzdem abgelehnt wird und wie lassen sich diese Fehler konkret vermeiden?

Herr Gehrsitz Die Antragstellung ist anstrengend und zeitaufwändig und erfolgt häufig neben dem Alltagsgeschäft. Daher ist es herausfordernd für die Anträge die notwendigen Ressourcen aufzubringen. Der Forschungsansatz sollte sich wie ein roter Faden durch den Antrag ziehen mit einem transparenten und nachvollziehbaren Vorgehen. Das Forschungsthema und die Hypothese müssen mit der passen Methodik klar herausgearbeitet werden, unter Berücksichtigung eines realistischen Zeitplans. Beruht der Antrag auf Basis einer Ausschreibung, ist darauf zielgerichtet aufzubauen, um im besten Fall die Förderzusage zu erhalten. Leider sind auch Fördermittel nur begrenzt verfügbar, so dass am Ende auch die Förderquote eine Rolle spielt.

Laut DFG-Förderatlas 2024 sind die Drittmittel an deutschen Hochschulen seit 2019 um 19 Prozent gestiegen: ein Wettbewerb, den Verbundprojekte mit mehreren Partnern zunehmend für sich entscheiden.

Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Förderatlas 2024. Kennzahlen zur öffentlichen Forschungsförderung. Bonn 2024. Online: foerderatlas.dfg.de

Publivio: Die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern gilt als Erfolgsfaktor für viele Förderanträge, macht das Ganze aber auch deutlich komplexer. Welche organisatorischen Weichen müssen frühzeitig gestellt werden, damit ein Verbundprojekt nicht schon in der Antragphase auseinanderfällt?

Herr Gehrsitz: Für Kooperationen mit anderen Partnern ist eine frühzeitige Einbeziehung und ein Austausch über die Pläne zum Forschungsvorhaben sinnvoll. Im Antrag muss der Mehrwert der beteiligten Partner deutlich erkennbar sein sowie die damit verbundenen Synergieeffekte. Mit einer Dokumentation zum weiteren Vorgehen und einem Zeitplan können die Weichen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und den Projekterfolg gestellt werden.

Publivio: Angenommen, ein Antrag wurde abgelehnt – was raten Sie Forschenden in diesem Moment konkret? Und wie verändert sich ein Antrag typischerweise zwischen erster Einreichung und erfolgreicher Wiedervorlage?

Herr Gehrsitz: Es ist wichtig die Hinweise für die Ablehnung, z.B. durch die Gutachter oder des Fachkollegiums, in Erfahrung zu bringen. Darauf aufbauend kann die Projektidee auch durch den Austausch mit anderen Wissenschaftler:innen weiterentwickelt werden, so dass im Antrag noch weitere Optimierungen und Nachjustierungen vorgenommen werden können. In manchen Fällen sollte auch das gewählte Förderprogramm hinterfragt werden.

Herr Gehrsitz verfügt als Abteilungsleiter und als Experte mit über 15 Jahren Berufserfahrung im Drittmittelbereich über eine umfassende Fachkompetenz im Management von Drittmittelprojekten sowie in der Zusammenarbeit mit den vielfältigen internen und externen Schnittstellen.

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