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Der Bau ist fertiggestellt, doch der kritische Moment steht erst bevor: Funktioniert die Technik im Zusammenspiel? In der Praxis ist die Phase zwischen Fertigstellung, Einregulierung und Übergabe oft von Zeitdruck und Koordinationsproblemen geprägt. Wer hier als öffentlicher Auftraggeber nicht genau hinschaut, übernimmt Anlagen, die energetisch ineffizient laufen oder versteckte Mängel aufweisen – mit teuren Folgen für den späteren Betriebshaushalt.
Dieses Seminar schließt die Lücke zwischen Baustelle und Regelbetrieb. Sie diskutieren, wie Sie den Prozess der Inbetriebnahme strukturiert steuern, damit Sie genau die Leistung erhalten, die ausgeschrieben und bezahlt wurde.
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Inbetriebnahme und Abnahme technischer Anlagen: Die kritischste Phase im öffentlichen Bauprojekt
Der Bau ist abgeschlossen, die Handwerker packen zusammen – und dann beginnt die Phase, in der öffentliche Bauprojekte am häufigsten scheitern: die Inbetriebnahme und Abnahme der technischen Anlagen. Zwischen dem letzten Hammerschlag und der funktionsfähigen Übergabe an den Nutzer liegen Wochen oder Monate, in denen Heizung, Lüftung, Elektrotechnik, Gebäudeautomation und Sicherheitssysteme erstmals im Zusammenspiel getestet werden. Und genau hier zeigt sich, ob die Planung aufgeht – oder ob Koordinationsmängel, Schnittstellenprobleme und unklare Zuständigkeiten das Projekt in Verzug bringen.
Die Begrifflichkeiten sind wichtig und werden in der Praxis häufig durcheinandergeworfen: Die technische Inbetriebsetzung – das erstmalige Einschalten und Prüfen einzelner Anlagen – ist nicht dasselbe wie die funktionale Erprobung, bei der das Zusammenwirken aller Gewerke unter realen Bedingungen getestet wird. Und beides ist zu unterscheiden von der rechtlichen Abnahme nach VOB/B, die den Zeitpunkt markiert, ab dem die Gewährleistungsfrist läuft und die Beweislast für Mängel auf den Auftraggeber übergeht. Wer diese Phasen nicht sauber trennt und dokumentiert, riskiert den Verlust von Gewährleistungsansprüchen.
Die Koordination der verschiedenen Gewerke ist die zentrale Managementaufgabe in dieser Phase. Heizung und Lüftung müssen aufeinander abgestimmt sein, die Gebäudeautomation muss alle Anlagen korrekt ansteuern, und die Brandschutzsysteme müssen im Ernstfall zuverlässig funktionieren. In der Praxis zeigen sich hier häufig Probleme, die in der Planungsphase nicht aufgefallen sind: Ventile, die in die falsche Richtung eingebaut wurden; Regelparameter, die nicht an die tatsächlichen Raumnutzungen angepasst sind; Schnittstellen zwischen Gewerken, die niemand definiert hat.
Besonders unterschätzt wird die Phase der Einregulierung. Eine Lüftungsanlage, die nach dem Einbau nicht sorgfältig einreguliert wird, verbraucht unter Umständen ein Vielfaches der geplanten Energie – und das über die gesamte Nutzungsdauer des Gebäudes. Die Einregulierung ist keine Nebensache, sondern entscheidet über die Energieeffizienz und damit über die Betriebskosten öffentlicher Gebäude auf Jahrzehnte hinaus.
Dr. Joachim Liers von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vermittelt in unserer Fortbildung den systematischen Ansatz für ein erfolgreiches Inbetriebnahmemanagement: von der Planung der Inbetriebnahmephase über die Koordination der Gewerke und das Mängelmanagement bis zur rechtskonformen Abnahme nach VOB. Die Teilnehmenden lernen, typische Fehler zu erkennen, bevor sie teuer werden.


