Controlling im öffentlichen Dienst: Wirkungsorientierung, Benchmarking und digitale Steuerung
Controlling im öffentlichen Dienst steht zunehmend unter dem Anspruch, Transparenz zu schaffen, Steuerungsimpulse zu liefern und fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Gleichzeitig erschweren unklare Zielsysteme, begrenzte Datenqualität und der wachsende Digitalisierungsdruck eine wirkungsorientierte Umsetzung.
In diesem Seminar zeigen wir Ihnen, wie Sie Benchmarking sinnvoll und risikobewusst einsetzen, ein belastbares, wirkungsorientiertes Controlling aufbauen und digitale Instrumente gezielt nutzen, um Steuerung, Effizienz und Aussagekraft nachhaltig zu verbessern.
Was Sie für modernes Controlling in der öffentlichen Verwaltung und Behörden lernen
Ihre Referierenden

Leiter Drittmittel
Bernhard Dasselaar
Abteilungsleiter Kostenrechnung und Drittmittelverwaltung
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Diplom Betriebswirt
Lars Güthert
Abteilungsleiter Controlling Infrastruktur / Querschnitt,
Projektleiter SAP S/4HANA
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
Fragen von Teilnehmenden
Fragen zum Thema
Controlling im öffentlichen Dienst bezeichnet den systematischen Einsatz von Steuerungsinstrumenten, mit denen Behörden, Kommunen und öffentliche Einrichtungen ihre Ressourcen transparent machen, Zielerreichung messen und fundierte Entscheidungen treffen. Es umfasst Kosten- und Leistungsrechnung, Benchmarking, Kennzahlensysteme und wirkungsorientierte Berichterstattung; zugeschnitten auf die besonderen Anforderungen des öffentlichen Sektors.
Wirkungsorientiertes Controlling verbindet Kostentransparenz mit der Frage, welche gesellschaftlichen Ergebnisse eine Maßnahme erzielt. Statt nur zu fragen „Was hat es gekostet?“, fragt es auch: „Was hat es bewirkt?“ Dieser Ansatz ist für den öffentlichen Sektor besonders relevant, weil Erfolg hier nicht allein an Gewinn gemessen wird, sondern an Qualität, Effizienz und gesellschaftlichem Mehrwert.
Operatives Controlling steuert den laufenden Betrieb auf Basis von Kennzahlen, Budgets und Abweichungsanalysen, typischerweise über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr. Strategisches Controlling hat einen längeren Zeithorizont und fragt, ob die Verwaltung auf dem richtigen Kurs ist, um ihre langfristigen Ziele zu erreichen. Beide Ebenen ergänzen sich: ohne operative Steuerung verliert die Strategie den Boden, ohne strategischen Blick fehlt die Richtung.
Geeignete Kennzahlen für Behörden sind solche, die sowohl Kosten als auch Leistungen abbilden: Kosten pro Verwaltungsvorgang, Bearbeitungszeiten, Auslastungsgrade, Mitarbeiterzufriedenheit oder Ergebnisquoten. Wichtig ist, dass Kennzahlen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in ein Zielsystem eingebettet sind. Ein gutes Kennzahlensystem unterscheidet zwischen Input-, Output- und Wirkungsindikatoren.
Digitale Controlling-Instrumente reichen von ERP-Systemen wie SAP S/4HANA über Business-Intelligence-Tools bis hin zu spezialisierten Kommunalsoftwarelösungen. Sie ermöglichen Echtzeit-Reporting, automatisierte Auswertungen und bessere Datenqualität. Die Herausforderung liegt nicht in der Technik, sondern in der Datenqualität, der Schnittstellenintegration und dem richtigen Einsatz im Verwaltungsalltag.
Das Seminar richtet sich an Beschäftigte in Behörden, Kommunen, Hochschulen und öffentlichen Unternehmen, die Controlling-Aufgaben wahrnehmen oder verantworten – von Sachbearbeitenden im Finanzbereich bis zu Abteilungsleitungen und Kämmereien. Auch Führungskräfte, die Controlling-Berichte nutzen und interpretieren müssen, profitieren unmittelbar vom Seminarinhalt.
Organisatorische Fragen
Direkt nach Abschluss Ihrer Buchung erhalten Sie die Rechnung automatisch per E-Mail. Bitte beachten Sie, dass die Rechnung auf die von Ihnen angegebene Organisation (bzw. den Arbeitgeber) ausgestellt wird.
Der Rechnungsbetrag ist innerhalb von 14 Tagen bequem per Banküberweisung zu begleichen. Die entsprechenden Kontodaten finden Sie direkt auf der Rechnung.
Sollten Sie den Termin nicht wahrnehmen können, bitten wir Sie um eine frühzeitige Kontaktaufnahme. Gerne besprechen wir mit Ihnen mögliche Alternativen, wie zum Beispiel die Teilnahme an einem späteren Termin. Detaillierte Informationen zu den Stornierungsbedingungen finden Sie zudem in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen unter https://publivio.de/agb/.
Sie erhalten Ihre Teilnahmebescheinigung circa eine Woche nach der Veranstaltung per E-Mail zugesendet.
Der Veranstaltungspreis umfasst die Teilnahme am Seminar sowie Ihre Verpflegung vor Ort. Wir sorgen für Kaffeepausen mit Kuchen sowie ein gemeinsames Mittagessen. Eine Übernachtung ist im Preis nicht inbegriffen; wir bitten Sie, diese bei Bedarf gesondert zu organisieren.
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Controlling im öffentlichen Dienst: Vom Zahlenfriedhof zur echten Steuerungsintelligenz
Controlling in der öffentlichen Verwaltung hat ein Imageproblem. Für viele steht der Begriff noch immer für seitenlange Berichte, die niemand liest, für Kennzahlen, die erhoben, aber nie genutzt werden, und für ein Berichtswesen, das eher der Pflichterfüllung dient als der Steuerung. Dabei wäre wirksames Controlling gerade im öffentlichen Dienst unverzichtbar – denn hier werden Entscheidungen mit öffentlichen Mitteln getroffen, die Transparenz und Rechenschaft erfordern.
Der Wandel kommt allerdings. Die Einführung der Doppik in vielen Kommunen, der wachsende Druck durch Haushaltssperren und Konsolidierungsprogramme sowie die zunehmende Erwartung an evidenzbasierte Politik verändern die Anforderungen an das Controlling grundlegend. Es reicht nicht mehr, am Jahresende festzustellen, dass Budgets überschritten wurden. Moderne Verwaltungen brauchen Instrumente, die unterjährig steuerungsrelevante Impulse liefern – bevor die Schieflage entsteht, nicht danach.
Doch wer ein Controllingsystem im öffentlichen Sektor aufbauen oder weiterentwickeln will, steht vor spezifischen Herausforderungen, die in der Privatwirtschaft so nicht existieren. Verwaltungsziele lassen sich selten in Euro oder Stückzahlen messen. Wie bemisst man den Erfolg einer Baugenehmigungsstelle? Was ist die richtige Kennzahl für eine Ausländerbehörde? Der Sprung von der Input-Steuerung – wie viel Geld wurde ausgegeben? – zur Wirkungsorientierung – was wurde damit erreicht? – ist konzeptionell anspruchsvoll und politisch heikel.
Hinzu kommen strukturelle Hürden: Die Datenqualität in vielen Verwaltungen ist lückenhaft, Fachverfahren sind nicht miteinander vernetzt, und die Bereitschaft, Ergebnisse transparent zu machen, stößt dort an Grenzen, wo Zahlen unbequeme Wahrheiten offenlegen. Wirkungsorientiertes Controlling bedeutet auch, Zielkonflikte sichtbar zu machen – zwischen Wirtschaftlichkeit und Daseinsvorsorge, zwischen Effizienz und Bürgernähe, zwischen kurzfristiger Sparsamkeit und langfristiger Investition.
Unsere Fortbildung vermittelt das Handwerkszeug, um Controlling im öffentlichen Dienst nicht als bürokratische Pflichtübung, sondern als echtes Steuerungsinstrument zu gestalten. Bernhard Dasselaar bringt aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Erfahrung einer Großforschungseinrichtung mit, in der Kostenrechnung und Steuerung unter komplexen Rahmenbedingungen funktionieren müssen. Lars Güthert, Abteilungsleiter Controlling bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), kennt die Realität eines öffentlichen Unternehmens, das täglich Millionen Menschen bewegt und dabei kaufmännische Steuerung mit politischen Vorgaben in Einklang bringen muss.
Beide Referierenden arbeiten praxisnah an den Fragen, die im Verwaltungsalltag wirklich zählen: Welche Kennzahlen haben tatsächlich Steuerungsrelevanz – und welche produzieren nur Papier? Wie baut man ein Berichtswesen auf, das bei Entscheidungsträgern ankommt? Und wie gelingt der Einstieg in Benchmarking, ohne Äpfel mit Birnen zu vergleichen?



